DENK-ZEICHEN KOSTRZYN
Kunstausstellung im Ruinengelände der ehemaligen Festung Küstrin (Kostrzyn/PL)
29. Juli – 9. September 2012
Lage | location: google.maps

Kurator: Christoph Tannert

Kunst im öffentlichen Raum | public art: temporarily

Dimensionen: Kreis ø 10 m, Scheiben ø 240 mm
Technik: 24 Scheiben aus Edelstahl

Dimensions: circle ø 10 m, disc ø 240 mm
Technique: 24 discs of stainless steel

Publikation:
Denk-Zeichen Kostrzyn, 2012

Presse:
TAZ, 7. August 2012
Junge Freiheit, 12. August 2012

www.bethanien.de/…/denk-zeichen-kostrzyn

300 Jahre an einem Tag

DE

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und manchmal reichen die Schatten der Geschichte bis in die Gegenwart – wie der Altstadt von Küstrin anzusehen ist.
Das zentrale Element in der Mitte des ehememaligen Schlosshofes ist ein stählerner Fahnenmast. Als rostiges politisches Symbol beherrscht er das besiegte und beräumte Ruinenfeld. Doch auch die Zeit der Fahnen ist vorbei. Was bleibt ist sein langer Schatten, der mit der Sonne über die Ruinen wandert.
Der geschundene Ort wird zur Sonnenuhr der Geschichte. An Stelle der Stundenmarkierungen sind im Boden eingelassene Scheiben mit der jeweiligen Uhrzeit und dem Hinweis, welches geschichtliche Ereignis der deutsch–polnischen Geschichte wann stattfand. Durch die sich täglich repetierenden Stunden und Minuten werden diese Ereignisse wieder gegenwärtig. Die immer wiederkehrende Uhrzeit tritt vor das unwiederholbare Datum in der Vergangenheit. Gleichzeitig wird der Zeitraffer von 300 Jahren zu einem einzigen Tag auf die unsichtbar langsame Bewegung des Schattens der Sonne entschleunigt.

Überliefert ist, dass Leutnant Hans Hermann von Katte preußisch pünktlich um 7 Uhr morgens an eben dieser Stelle exekutiert wurde (6. November 1730). Daneben wurden geschichtliche Ereignisse/Plaketten entsprechend dem Schattenverlauf eines Tages als Kreis um den Fahnenmast herum uhrzeitgenau angeordnet. Da es sich hierbei um eine Horizontalsonnenuhr handelt, sind auch Ereignisse in den Nachtstunden darstellbar, wenngleich außerhalb des Stabschattens.
Die Stundenmarkierungen aus Edelstahl sind in polnischer und deutscher Sprache beschriftet. Ihr Minimaleingriff beeinträchtigen den Charakter der Ruine in keiner Weise.