TU München Garching
Zentralinstitut für Katalyseforschung
Ernst-Otto-Fischer-Straße 1
85748 München-Garching
Lage | location: google.maps

Kunst und Bauen | public art: permanent installation

Dimensionen: 8 x 4 x 5 m (H x L x B)

Technik:
97 Farbglasrohre ø 24 – 80 mm, 70 – 1000 mm lang, Edelstahldrahtseil

realisiert: 2014

Links:
Catalysis Research Center (CRC)
Klein & Sänger Architekten
www.architekturclips.de

Publikation:
RŒHREN:DER HIRSCH | ADLER:ANAMORPH, 2014

Presse:
PIRSCH – Respekt vor dem Wilden, München, 20. Januar 2016
TUMcampus 2-2016

ADLER:ANAMORPH

DE

„Um mich zu retten, betrachte ich alle Erscheinungen als unabhängig voneinander und suche sie gewaltsam zu isolieren, dann betrachte ich sie als Korrelate, und sie verbinden sich zu einem entscheidenden Leben.“
(J.W.Goethe: Wilhelm Meisters Wanderjahre, 1829)
Damit versteht sich der Künstler als Katalysator. Auch er zerlegt die Wahrnehmung seiner Umwelt und gibt sie neu zusammengesetzt wieder. Anschaulich nachvollziehbar und beliebig oft reproduzierbar wird dieser Prozess in einer Anamorphose. Der Betrachter ist dabei der Katalysator. Er bestimmt mit seinem Standort und Blickwinkel, ob ein Bild in seine Einzelteile zerfällt oder sich logisch zusammenfügt. Die Wirkungsweise eines chemischen Katalysators, nämlich die Auflösung bestehender Bindungen und deren Neuordnung zu einem sinnfälligen Ganzen, kann hier visuell leicht nachvollzogen werden.

Eine Anamorphose hebt gleichsam die rationale Gesetzmäßigkeit der Zentralperspektive aus den Angeln und stellt damit die gewohnt kontrollierte Beherrschung der Natur infrage. Indem sie den Betrachter aus seiner idealen Position im Zentrum der perspektivischen Konstruktion drängt, stiftet die Anamorphose die Einsicht, dass jedes Erkennen notwendig an einen Standort gebunden ist, der stets nur einer von vielen Möglichen ist. Formation und Deformation finden gleichzeitig statt. Nur ein Wechsel des Blickwinkels schafft Klärung oder Verunklärung. Damit wird das Selbstverständnis menschlicher Wahrnehmung zur Illusion und mit dem Wissen um ihre Konstruierbarkeit konfrontiert.

Als Bildmotive wurden bewusst keine Wiederholungen aus dem Alltag eines Chemielaboranten gewählt, sondern zwei positiv belegte, assoziationsreiche Naturikonen: Hirsch und Adler. Der Adler symbolisiert Weitsicht, Überblick und Kraft, alles Eigenschaften, die auch einen Forscher auszeichnen sollten.
Im Foyer des Katalysezentrums schwebt eine Zooanamorphose als Katalysemetapher. Dabei wird dem hohen Luftraum Rechnung getragen, vom Glasdach lichtdurchflutet. Die Anamorphose eines kreisenden Adlers erhebt sich über zwei Etagen. Die Silhouette setzt sich zusammen aus den Linien herabhängender Farbglasrohre.
Die allansichtig abstrakteRauminstallation wird nur von einem Betrachtungspunkt im Erdgeschoss plausibel. Die vielen dunkeblauen Linien der Gläser bilden die Form eines kreisenden Adlers.
Das Pendant bildet vor dem Gebäude die Installation RŒHREN:DER HIRSCH nach gleichem Prinzip.