TU München Garching, Campus
Zentralinstitut für Katalyseforschung
Ernst-Otto-Fischer-Straße 1
85748 Garching
Lage | location: google.maps

Kunst und Bauen | public art: permanent installation

Dimensionen:
ø 80-270 mm, 1,90–6,30 x 60 x 7 m (H x L x B)

Technik: 31 Stahlrohre, pulverbeschichtet

Technique: 31 steel tubes, powder colored

realisiert: 2013

Links:
Catalysis Research Center (CRC)
www.architekturclips.de
www.drdimitriosmihalios.de

Publikation:
RŒHREN:DER HIRSCH | ADLER:ANAMORPH, 2014

Presse:
PIRSCH – Respekt vor dem Wilden, 02/2016
TUMcampus 2-2016

Gebrauchsmuster | utility model:
DE202013004607U1

Rœhren:der Hirsch

DE

„Um mich zu retten, betrachte ich alle Erscheinungen als unabhängig voneinander und suche sie gewaltsam zu isolieren, dann betrachte ich sie als Korrelate, und sie verbinden sich zu einem entscheidenden Leben.“
(J.W.Goethe: Wilhelm Meisters Wanderjahre, 1829)
Damit versteht sich der Künstler als Katalysator. Auch er zerlegt die Wahrnehmung seiner Umwelt und gibt sie neu zusammengesetzt wieder. Anschaulich nachvollziehbar und beliebig oft reproduzierbar wird dieser Prozess in einer Anamorphose. Der Betrachter ist dabei der Katalysator. Er bestimmt mit seinem Standort und Blickwinkel, ob ein Bild in seine Einzelteile zerfällt oder sich logisch zusammenfügt. Die Wirkungsweise eines chemischen Katalysators, nämlich die Auflösung bestehender Bindungen und deren Neuordnung zu einem sinnfälligen Ganzen, kann hier visuell leicht nachvollzogen werden.

Eine Anamorphose hebt gleichsam die rationale Gesetzmäßigkeit der Zentralperspektive aus den Angeln und stellt damit die gewohnt kontrollierte Beherrschung der Natur infrage. Indem sie den Betrachter aus seiner idealen Position im Zentrum der perspektivischen Konstruktion drängt, stiftet die Anamorphose die Einsicht, dass jedes Erkennen notwendig an einen Standort gebunden ist, der stets nur einer von vielen Möglichen ist. Formation und Deformation finden gleichzeitig statt. Nur ein Wechsel des Blickwinkels schafft Klärung oder Verunklärung. Damit wird das Selbstverständnis menschlicher Wahrnehmung zur Illusion und mit dem Wissen um ihre Konstruierbarkeit konfrontiert.

Als Bildmotive wurden bewusst keine Wiederholungen aus dem Alltag eines Chemielaboranten gewählt, sondern zwei positiv belegte, assoziationsreiche Naturikonen: Hirsch und Adler. Gleichzeitig wird dabei auf das Spektrum des Katalysezentrums verwiesen, in dem mehrere Fachgebiete – auch die Biologie – nebeneinander arbeiten. Der röhrende Hirsch zeigt die räumliche Nähe des Universitätsstandortes zu den Alpen. Dabei erfährt dieses uralte Motiv eine zeitgemäße, ironische Neuinterpretation. In der modernen Kunst ist das Hirschmotiv spätestens seit Joseph Beuys etabliert.

Der Standpunkt für diese Anamorphose ist der Haupteingang des Katalysezentrums. Das Laborgebäude bildet quasi den Brennpunkt dieses Perspektivbildes. Der Betrachter tritt aus dem Gebäude und das scheinbare Chaos der farbigen Säulen in der Landschaft formiert sich zum virtuellen Bild RŒHREN:DER HIRSCH.
Das Pendant bildet im Gebäude die Installation ADLER:ANAMORPH nach gleichem Prinzip.